Zentrum des Lichts

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 [Nachtelfe] Anatal Hyalma

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Anatal
Garde de la lumière
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BeitragThema: [Nachtelfe] Anatal Hyalma   Mo Aug 24, 2009 1:04 pm


Ein prickelnder Schmerz durchzuckte ihren schmalen, kleinen Koerper. Leise murrend rollte sie sich etwas ein, wurde jedoch sanft von rauen Haenden wieder in ihre Ausgangsposition gebracht.

„D’e irmitia Na’telmar, Anatal.“

Die junge Elfe nickte sachte, streckte sich wieder auf der gepolsterten Liege und liess die Nadel ein ums anderemal in die zarte Haut stossen.
Vater war ein Kuenstler mit der Nadel. Und sie war sein groesstes Kunstwerk. Um ihre bleichen Arme, um ihren Bauch, um ihre Beine rankten sich stilisierte Blueten, Voegel und allerei Getier versteckten sich in diesem Dickicht.
Noch lange wird sie sich mit Schmerz an diese Nacht erinnern. Es war die letzte. Das Kunstwerk war beendet, ihr gesamter junger Koerper mit Blumen bemalt. Vater versprach, dass er die Farbe einfuegen wuerde, wenn er zurueck kommt.

Er kam nie zurueck.


Wie lange war das her?
Die Elfe sah auf, sie sass im Geaest eines grossen Baumes und starrte auf die Menschenstadt Sturmwind herab.
Wie konnten ihre Schritte sie hierher lenken?
Und warum dachte sie immer an diese eine Nacht, wenn sie an ihren Vater dachte?
Verblasste Blueten schmueckten ihre Haut, die Voegel und das Getier waren kaum mehr ein Schatten. Sie trug die kaum mehr ersichtlichen Tattoowierungen mit Stolz. Das grosse, letzte Kunstwerk von Montellas Nachtbringer, ihrem Vater.
Sie umfasste den Ast ueber ihr und zog sich hoch. Sturmwind praesentierte sich in dunkelster Schwaerze, nur ab und an deutete ein fernes Feuer auf Leben.
Vielleicht war alles nur ein Fehler. Zwar ein kaum gutzumachener, aber ein Fehler. Vater wuerde sich schaemen, wenn er sehen wuerde, was aus seinem Kunstwerk geworden ist.
Natuerlich, sie war maechtiger geworden, als sie sich es jemals haette ausmalen koennen… aber…
Ihr Blick wanderte zu der Kathedrale, deren dunklen Umrisse selbst in absoluter Duesternis fuer sie erkenntlich waren.
Sie hatte ihren Onkel nicht aufhalten koennen.
Sie hatte eine Liebelei mit einem Paladin der Kathedrale gehabt.
Sie hatte ihre Herkunft verraten und verleugnet.

Anatal weinte nicht. Seit ihr Onkel verschwunden war, hatte sie geschworen, keine Traene mehr zu weinen. Emotionslos wanderte ihr Blick ueber den Marktplatz, herab auf das tiefe Tal, welches vor der Stadt lag. Ihre Augen lagen nur kurz auf den grossen Statuen, die den Weg saeumten.
Sie sollte aufbrechen. Sofort. Ehe noch ein Tag ins Land zog, an dem sie sich Vorwuerfe machte.

Geschickt sprang sie vom Baum herab.
„Katzen landen immer auf ihren Fuessen.“ Fluesterte sie leise, erschrocken darueber, dass selbst ihre Gedanken inzwischen in der Menschensprache waren.
Rasch kletterte sie auf Megil, den schnellen Frostsaebler, der geduldig unter dem Baum auf seine Freundin gewartet hatte. Er murrte zufrieden, als Anatal seine Schultern kraulte, die Zuegel zur Hand nahm und ihn sachte in Richtung Tor lenkte.
„Wir haben nicht viel Zeit, Megil.“, Hauchte sie in das Ohr des Saeblers, als sie ihn antrieb und in Richtung Hafen ritt.
„Nordend ruft, mein Schatz. Wenn du mich nicht begleiten willst, verstehe ich das. Es ist ein ungemuetlicher, unwirklicher Ort. Aber ich muss gehen. Ich kann Vater und Onkel nicht im Stich lassen.“
Anatal stand am Steg, sie stieg elegant von Megil herab und kraulte den Saebler am Ohr. Er war riesig, sie musste sich fast strecken, um ihn zu kraulen. Megil drueckte seinen massigen Kopf an ihre Brust, er deutete ihr, dass er immer an ihrer Seite stehen wuerde.
Die Elfe laechelte dankbar, fest umfasste sie die Lederzuegel des Tieres, als sie langsam, mit heimlich zitternden Knien, das Schiff betrat.
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Anatal
Garde de la lumière
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BeitragThema: Re: [Nachtelfe] Anatal Hyalma   Di Aug 25, 2009 2:57 pm

Sie stand mit sichtlichem Stolz neben ihren Vater. Beide blickten schweigend von Teldrassil herab, herab aufs Meer, das in dieser Nacht sich unruhig an die massigen Wurzeln des riesigen Baumes drückte.
Vielleicht war es eine Warnung. Die kommenden Ereignisse würden ebenso unruhig werden wie die See in dieser Nacht.
Sie zuckte fast erschrocken zusammen, als plötzlich die tiefe, brummende Stimme, gleich die eines Baeren, ihres Vaters erklang
„Es ist dein Weg, Anatal. Ich bin stolz auf dich, du bist mein Kunstwerk. Egal, was du tust, ich werde es sein.“
Ein Räuspern unterbrach die Zweisamkeit von Vater und Tochter. Hinter ihnen stand ein großer Elf, mit seinen dunklen, langen Haaren war er Vater gar nicht so unähnlich, und genauso schienen seine goldleuchtenen Augen in die dunkle Nacht.
„Hirschhaupt will dich sprechen.“ Onkel sah durch Anatal hindurch, als er mit Vater sprach. So wie er es immer tat.
Vater nickte „Ich komme.“ Er beugte sich zu seinem kleinen Kunstwerk herab, küsste sie sachte auf die Stirn und wandte sich ab.
Sie starrte noch lange aufs Meer, lange, nachdem die Schritte der beiden in der Nacht verhallt waren.


Der Wind pfiff eiskalt.
Anatal wickelte ihren Mantel fester um sich und zog die Kapuze tiefer ins Gesicht. Megil kam nur langsam voran, der Schnee reichte selbst ihn fast bis zum Bauch.
Fast schon trotzig ob der Kälte sang Anatal in den schneidenden Wind, versucht, ihren Saebler trotz dieses Landes, trotz des Schnees, Mut zuzusprechen.
Bisher hatte sie keine Spur entdeckt, und langsam aber sicher gab sie auf. Sie hatte sich dieses Unterfangen wirklich einfacher vorgestellt…
Mit leichtem Druck auf die Seiten hielt sie Megil an und rutschte mit kalten Gelenken von dem Saebler herab. Sie zuckte zusammen, als sie plötzlich bis zur Brust im Schnee verschwand.
„Ach… Megil… ich weiß nicht, ob das wirklich hilft...“ Ihre Stimme war nur ein weitentferntes Murmeln, als sie sich durch den Schnee zum Kopf ihres Reittieres kämpfe. Sie umfasste seine Ohren und drueckte seinen Kopf an ihre Brust. „Du bist eiskalt…“ murmelte sie, dann wurde es schwarz um sie herum. Sie sackte zusammen und blieb im Schnee liegen.

Wie Blitze zuckten die Erinnerungen in ihrem Kopf. Ein schwarzhaariges Menschenmaedchen, kaum sechszehn Jahre alt. Nein, sie bereute nicht, das kleine Waisenmaedchen adoptiert zu haben. Es erschien ihr richtig. Sie wurde gleichzeitig als Mensch und als Kal’dorei erzogen. Bei Elune, sie war noch immer ein Mensch, natuerlich. Aber es wunderte sie doch immer wieder, wie gut Niane mit diesem Zwiespalt zurecht kam.
Sie stand am Steg in Suederstade, ihr Blick sorgenvoll in Richtung Norden gewandt. Kaum zwei Meter entfernt von ihr sass ein junger Mann mit langem, schwarzen Haar und beobachtete das junge Maedchen.


Ferne Stimmen rissen Anatal aus ihrer Ohnmacht. Sie bibberte vor Kaelte, ihre Finger waren steif als sie aus ihrer Tasche einen kleinen Stein suchte. Er leuchtete in einem dumpfen, weissem Licht. Ihre Hand zitterte leise, als sie den Stein naeher an ihr Gesicht hielt und die Augen schloss
„Ja… ich… ich bin unterwegs…“
Schwerfaellig erhob sich die Elfe und sah sich suchend um. Megil lag im tiefen Schnee, durch seine weisse Fellfarbe war er fast unsichtbar. Anatal rieb sich frierend die Arme, als sie in Richtung des Tieres stapfte und sich in ihren Sattel zog.
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[Nachtelfe] Anatal Hyalma
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